
Unser ehemaliger Vorstandsvorsitzender Dr. Bernhard Worms blickt zurück

Dr. Bernhard Worms, Staatssekretär a.D., war von 2009 bis 2018 Vorstandsvorsitzender der DMGS OV Köln und Umgebung. Er war u.a. auch Gründungsmitglied der Gold-Kraemer-Stiftung und dort lange im Vorstand tätig.
Dr. Worms ist am 21.12.2024 im Alter von 94 Jahren verstorben, wenige Tage nachdem er die Goldene Ehrennadel der DMSG für sein ehrenamtliches Engagement für MS-Erkrankte in einem Festakt verliehen bekam.
Hier erinnert die Gold-Kraemer-Stiftung an ihn:
https://www.gold-kraemer-stiftung.de/aktuelles/trauer-um-dr-bernhard-worms/
Das nachfolgende Interview wurde im Herbst 2023 anläßlich unseres Jubiläums geführt. Eine Kurzfassung ist in unserer Jubiläums-Broschüre abgedruckt.
Was war Ihre Motivation oder Ihr Anliegen, die DMSG OV Köln zu gründen?
Als Mitglied der CDU seit dem 1.1.1949 war ich immer ein Kämpfer für eine soziale Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.
Für mich gilt: Es ist Pflicht des Staates und der Gesellschaft, Einrichtungen zu schaffen, die den Menschen unterstützen, der aus eigener Kraft seine Erkrankung nicht heilen und seine Integration in die Gesellschaft nicht schaffen kann!
Was war Ihre persönliche Verbindung zur MS zu dem Zeitpunkt?
Persönlich hatte ich zum Zeitpunkt der Gründung des Ortsvereins Groß-Köln noch keine Verbindung zu ihm, aber die von Herrn Generalkonsul Paul Kraemer im Vorstand der schon bestehenden Stiftung angeregte und eingehend diskutierte Gründung unseres heutigen Vereins, habe ich mit der mir möglichen Kraft als Vorstandsmitglied in der Stiftung nachhaltig unterstützt.
Wer war in den Anfängen maßgeblich beteiligt an der Idee zur Gründung und an der Umsetzung?
Idee, Auf- und Ausbau der DMSG im Kölner Umfeld war das Werk von Ehepaar Kraemer; aber auch die Arbeit seiner beiden engsten Mitarbeitern im ‚Goldwarengeschäft‘, von Herrn Ruland und Herrn Wagner. Hinzu kam die Unterstützung der Gründung durch den Erftkreis und die Stadt Frechen.
Was waren damals die Ziele und wie beurteilen Sie rückblickend die Erreichung dieser Ziele?
Für Herrn Generalkonsul Kraemer gab es eine Grundsatzhaltung: „Was du tust, tue ganz!“; deshalb war sein Ziel: Im Kölner Großraum wollte er in all den von ihm entscheidend mitfinanzierten Tätigkeiten die Nr.1. sein; dies galt besonders für Hilfen gegenüber Dritten, die auf diese angewiesen waren!
Und dieses Ziel haben wir auch erreicht.
Wer war damals aktiv an der Umsetzung dieser Ziele beteiligt?
Aktiv, d.h. nahezu hauptamtlich, haben sich für die soziale Arbeit die vorhin schon genannten Herrn Ruland und Wagner eingesetzt, die natürlich ihre Mitarbeiter im Geschäft auch mit einsetzten und zusätzlich über großartige Helfer aus der Kreisverwaltung des Rhein-Erft-Kreises und der Stadtverwaltung Frechen sowie über Abgeordnete im Kreistag und Landtag verfügen konnten.
Welche weiteren unterstützenden Organisationen und aktive andere Unterstützer gab es damals?
Das ‚gewusst wie‘, die Einstellung zu sozial Schwachen und der Bau von sozialen Einrichtungen lösten eine Sogwirkung aus: „Wir machen mit!“
Nennen will ich hier besonders die Boll-Stiftung, Kreissparkasse Köln, Verband der Volksbanken. Als Personen nenne ich dankbar Dr. Karlheinz Gierden, Oberkreisdirektor, und Stadtdirektor Heinz Filz von Frechen.
Was waren die anfänglichen Aktivitäten des Vereins, wie wurden anfangs die Vereinszwecke verfolgt?
Da wir in der Vorstandskollegin, Frau Vera Mülhens, und in der hauptamtlichen Mitarbeiterin, Frau Marie-Luise Esser, über zwei kluge und bezogen auf Multiple-Sklerose bereits erfahrene Persönlichkeiten verfügen konnten, sind wir den aus meiner Sicht sehr erfolgreichen Weg gegangen, vor Ort die an MS-Erkrankten in kleineren Einheiten zusammen zu führen, um mit ihnen erste Schritte einzuüben und um sie zu lehren, was zur Bekämpfung ihrer Krankheit wichtig und richtig ist.
Frau Esser hat dann dafür gesorgt, dass alle an den Verein herangetragenen Fragen, Sorgen und die notwendigen Entscheidungen im Vorstand angesprochen und einer Lösung zugeführt werden konnten. Das Ergebnis war, dass wir im Bundesland NRW von allen anerkannt und geschätzt wurden.
Auch hier erreichten wir das „Ziel“ jeder Tätigkeit unseres Gründerehepaares: „Werde die Nr. 1“.
Was war Ihre besondere Rolle im Vorstand?
Als einer, der in politischen Ämtern = Stadtrat, Kreistag, Landtag von NRW und als erster Landrat des Rhein-Erft-Kreises (1975 bis 1983) = tätig war, habe ich mich dafür eingesetzt, dass in den Verwaltungsbestimmungen alle Hindernisse in der Arbeit für MS-Erkrankte möglichst rasch beseitigt wurden und geeignete Hilfen der öffentlichen Hand eingeleitet werden konnten.
Wie haben Sie persönlich die Entwicklung des Vereins beeinflusst oder geprägt?
Es war immer mein Anliegen, gut zuzuhören, den jeweiligen Sachverhalt zu begreifen und dann Wege einer ‚Flurbereinigung‘ zu suchen und diese auch mutig zu gehen.
Wie hat sich der Verein und die Aktivitäten im Laufe der Jahrzehnte verändert?
Der Verein ist vom Beginn an bis heute dem treu geblieben, was unsere „Mutter“, die Gold-Kraemer-Stiftung, inhaltlich auszeichnet: „Durch das Wahre auch nachhaltige Menschenhilfe denen zu schenken, die diese benötigen! Der Ertrag des Verkaufs in dem Juweliergeschäft kommt auch den Mitbürgern zu gute, die Hilfe benötigen.“
Wir waren und sind Glied des Bundes- und Landesverbandes, sodass wir uns als Ortsvereinigung Köln auch deren Sorgen und Nöten vorbehaltlos bis heute angenommen haben und annehmen. Diese Haltung war und ist untrennbar mit dem Amt des Vorsitzenden verbunden.
Und diese sind bis heute dieser Verpflichtung treu geblieben. So ist der derzeitige Vorsitzende, Herr Christian Bonnen, auch stellvertretender Landesvorsitzender.
Was für Gründe gab es für diese Veränderung?
Unsere Ortsvereinigung hat sich in ihrer innersten Ausrichtung nicht verändert; wohl haben wir uns dem anzupassen versucht, was im Hinblick auf die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft unabdingbar notwendig geworden war.
Ich denke an die gesetzlichen Änderungen, die hieraus entstandenen neuen Verwaltungsrichtlinien, z.B. an die Mitnahme von MS-Erkrankten im öffentlichen Nahverkehr, was manche Kommunen abgelehnt haben, sodass zwei Urteile eines Oberlandesgerichtes in Deutschland erstritten werden mussten!
Was schätzen Sie besonders an dem heutigen Entwicklungsstand des Vereins?
Die Ortsvereinigung Köln und Umgebung, unser Verein also, wird dank ihrer Struktur und dank der Art der Aufgabenerledigung von der Wissenschaft, (Sporthochschule Köln), vom Rhein-Erft-Kreis, seinen 10 kreisangehörigen Städten und auch vom Landesverband NRW als eine sehr gut geführte Einrichtung in vollem Umfang anerkannt und wegen der Art der Arbeitserledigung im Beirat der Ortsvereinigungen sehr geschätzt.
Was waren Meilensteine in der Entwicklung des Vereins?
Gründung, Zusammenarbeit mit der Wissenschaft beim Reitsport, die Bereitschaft, auch Anliegen anderer Stiftungen zu übernehmen, wenn diese finanziell unterstützt werden und zu unserem Aufgabenkreis gehören.
Der Geburtstag – ist eine der bekannten Jahreszahlen erreicht – ist wie ein „Bahnhof“ von uns im Verein gesehen worden. Man ist angekommen und überlegt, fährst Du weiter oder steigst Du aus, um die Richtung zu ändern?
Der „Sonnenaufgang“ war die Gründungsinitiative durch das Ehepaar Kraemer; die edle Bereitschaft zweier engster Mitarbeiter, sich auszubilden, um auch dem gerecht zu werden, was ihr Chef, neben seiner Tätigkeit als Goldschmied, zur Linderung von Leid Dritter als für sie neue Arbeitsfelder übernahm.
Was waren für Sie einige besondere Höhepunkte in Ihrer Vorstandstätigkeit oder unter den Aktivitäten der OV Köln?
Höhepunkt war eine jede Veranstaltung, in der die Begegnung der Multiple-Sklerose-Krankheit mit ihren Herausforderungen an die Verantwortlichen in Staat, Kirche und Gesellschaft im Mittelpunkt des Geschehens standen.
Können Sie ein besonderes Erlebniss schildern?
Hier denke ich an die Veranstaltungen im Dom-Forum, weil ich noch nie erlebt hatte, wie Kunst, Musik, Dichterworte und „Rollen-Übernahmen“ durch Erkrankte eine große Gemeinschaft von Mitmenschen, die rein zufällig auf der Domplatte waren und zur Veranstaltung kamen, so nachdenklich auf ihren Heimweg entließ, wie uns dies in vielen Gesprächen gesagt worden ist!
An diesen Tagen war ich nicht wenig stolz auf meinen Vorsitz im Verein.
Haben Sie eine Vision für die Zukunft des Vereins? Wie könnte/sollte sich der Verein entwickeln?
Visionen müssen auch verwirklicht werden; deshalb ist es mein Wunsch, dass unsere Ortsvereinigung ihre kraftvolle und weitsichtige Führung behält, an der Arbeit vor Ort als Platz, der über seine Zukunft entscheidet, fest hält und sich der notwendigen Weiterentwicklung der Gesellschaft nie verschließt.
Das „Mutter – Tochter Verhältnis“ zwischen der Gold-Kraemer-Stiftung und unserem heutigen Ortsverein Großraum Köln hat zu unserer ‚Geburt‘ geführt, hat uns bis heute gesichert, dass wir eine Familie sind, und bleibt die Basis für unsere Existenz als regionaler Eckstein im Kampf gegen MS.